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Junge Stimmen, grosse Fragen: Rückblick auf das Swiss Youth IGF 2026

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Veröffentlicht am 05.11.2026

Am 15. Juli 2026 kamen junge Menschen zwischen 12 und 35 Jahren zur zweiten Ausgabe des Swiss Youth IGF zusammen. Einen Tag lang lernten sie, wie das Internet gesteuert wird, hörten Expertinnen und Experten zu KI und sozialen Medien zu und formulierten ihre eigenen Botschaften an die Politik.

Der Auftakt

Der Morgen begann intensiv. Unsere Jugendkoordinatoren Murillo Salvador und Fabio Monnet eröffneten mit einer Einführung in Internet Governance und Multistakeholderismus: die Idee, dass Regierungen, Unternehmen, Zivilgesellschaft, technische Community und Nutzende das Internet gemeinsam gestalten.

Ein paar kleine technische Pannen zu Beginn erwiesen sich als Glücksfall. Sie waren schnell behoben und halfen, das Eis zu brechen. Unser digitales Maskottchen Swiggy, ein 3D-Shiba, sorgte für gute Stimmung. Alessandro Ciceri moderierte für unsere Online-Teilnehmenden – mit echter britischer Eleganz, wie manche bemerkten –, sodass sich alle, im Saal wie online, sicher fühlten, das Wort zu ergreifen.

Drei Inputs, die die Agenda prägten

Ayisha Piotti: KI klug nutzen

Ayisha Piotti führte die Teilnehmenden durch die Grundlagen der KI: was sie ist, wo die Gesellschaft sie bereits nutzt und – für das Publikum am wichtigsten – wie junge Menschen sie gut einsetzen können. Ebenso klar sprach sie über ihre Risiken und Grenzen.

Wie immer brachte Ayisha eine Filmliste mit. The Cleaners zeigt die unsichtbaren Arbeitskräfte, die Inhalte für grosse Plattformen moderieren, The Social Dilemma untersucht, wie Algorithmen unser Verhalten in sozialen Medien prägen, und Coded Bias deckt die Vorurteile auf, die in KI-Systeme eingebaut sein können.

Eine Gefahr, die sie hervorhob: KI kann Dinge vollkommen logisch klingen lassen, obwohl sie faktisch falsch sind. Ihre Antwort darauf ist das STOP-Prinzip: Source check (Quelle prüfen), Think critically (kritisch denken), Own your decision (eigene Entscheidung treffen) und Protect your data (Daten schützen). Sie schloss mit einer starken politischen Botschaft: Die Zukunft der KI soll nicht nur für junge Menschen gestaltet werden, sondern mit jungen Menschen.

Anja Lapkevic: ein ethischer Kodex für soziale Medien

Anja Lapkevic hielt einen sehr bewegenden Vortrag darüber, warum Nutzende sozialer Medien einen ethischen Kodex brauchen und warum junge Menschen online sowohl geschützt als auch gestärkt werden müssen.

Sie sprach für den Conscious Influence Hub, einen unabhängigen, gemeinnützigen Verein mit Sitz in Zug, gegründet 2020. Der Hub fördert verantwortungsvolle digitale Kommunikation mit einem Verhaltenskodex, der Influencerinnen und Influencern, Organisationen und gewöhnlichen Nutzenden hilft, mit Respekt, Empathie und Transparenz zu handeln. Zu seinen Projekten gehören WTFake, eine interaktive Ausstellung zu KI und Desinformation in sozialen Medien, sowie Conscious Sharenting, gemeinsam mit Kinderschutz Schweiz, das für das Posten von Kinderfotos im Internet sensibilisiert.

Andrey Gerhard: Ja, die Schweiz kann Big Tech zur Verantwortung ziehen

Der Morgen endete mit einem kurzen Interview mit Andrey Gerhard, der dem Saal Zuversicht gab, dass junge Menschen tatsächlich Macht gegenüber Big Tech haben – selbst in einem kleinen Land wie der Schweiz.

Er verwies auf die Internet-Initiative, eine Volksinitiative, die derzeit Unterschriften sammelt. Sie verlangt von Social-Media-Plattformen, Suchmaschinen und KI-Anbietern, Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs und gewalttätige Inhalte zu bekämpfen, Menschen vor Cyberkriminalität zu schützen und gegen Desinformation vorzugehen. Im Initiativkomitee sind alle grossen Schweizer Parteien vertreten, und die Kampagne will in 300 Tagen 100’000 Unterschriften sammeln. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Schweiz handelt. Die Stimmberechtigten haben beispielsweise bereits die sogenannte Netflix-Steuer angenommen, die Streamingdienste verpflichtet, in das Schweizer Filmschaffen zu investieren. Zudem arbeitet er an etwas Grossem für den KI-Gipfel im nächsten Jahr.

Nochmals ein grosses Dankeschön an alle unsere Referentinnen und Referenten!

Vom Mittagessen zu den Flipcharts

Nach einem vollen Morgen genossen alle ein wohlverdientes Mittagessen im Maruzzella. Trotz des Namens gab es dort weit mehr als Mozzarella. Das Team hat das Lokal an diesem Nachmittag freundlicherweise extra für uns geöffnet – für diese Geste sind wir sehr dankbar.

Zurück auf dem Campus der Fachhochschule Graubünden ging es ans Formulieren der Jugendbotschaften. Inspiriert von allen drei Referierenden interessierten sich die Teilnehmenden am meisten für KI und soziale Medien. Also teilten wir uns in zwei Gruppen auf, eine pro Thema, und sammelten auf Flipcharts Ideen dazu, was junge Menschen der Politik mitteilen wollen.

Die Botschaften des Swiss Youth IGF 2026

Soziale Medien: verantwortungsvolle Plattformen – oder wir bauen bessere

Junge Menschen sorgen sich über süchtig machende Algorithmen, Cybermobbing, digitales Tracking, das ihre körperliche Sicherheit gefährden kann, und fehlende Transparenz darüber, woher Informationen stammen. Ihre Botschaft ist klar: Plattformen müssen zur Verantwortung gezogen werden, und wenn sie sich weigern, bauen junge Menschen ihre eigenen, besseren Alternativen.

Drei Fragen prägten die Diskussion. Wie kann die Moderation von Inhalten mit Desinformation und schädlichen Inhalten umgehen? Was passiert, wenn Online-Räume zu einer echten Bedrohung für körperliche Sicherheit und Wohlbefinden werden? Und wie lässt sich das Vertrauen in Big Tech nach wiederholten Skandalen zurückgewinnen, von Cambridge Analytica bis zu KI-generierten Nacktbildern, die mit Grok erstellt wurden?

Aus diesen Fragen entstanden drei Handlungsaufforderungen. Erstens forderte die Gruppe vom Privatsektor mehr Community Notes und Kennzeichnung von Inhalten, unterstützt durch unabhängige Watchdog-NGOs: keine Löschungen, sondern klare Warnhinweise. Zweitens riefen sie Regierungen und Schulen dazu auf, obligatorischen Unterricht in digitaler Kompetenz für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen einzuführen und dabei auch die Eltern einzubeziehen. Drittens wollen sie, dass der Privatsektor Plattformen mit «Trust by Design» baut. Diese müssen keine «vegane» Version sozialer Medien sein. Gewinn ist in Ordnung, solange es Leitplanken und gut ausgebildete Entwicklerinnen und Entwickler gibt.

Generative KI: Lernen statt Noten, Regeln mit Biss

Generative KI hat mit ungeahnter Geschwindigkeit und in ungeahntem Ausmass Einzug in unseren Alltag gehalten, ohne dass diejenigen, die sie vorantreiben, viel Verantwortung übernehmen oder Rechenschaft ablegen. Dadurch wird es immer schwieriger, online Fakten von Fiktion zu unterscheiden. Die Gruppe wies zudem darauf hin, dass Schulen Noten statt Lernen belohnen, was KI zu einer verlockenden Abkürzung macht. Hinzu kommt, dass die wachsende KI-Nutzung Umwelt, Informationslandschaft und unsere psychische Gesundheit belastet, etwa durch den Wasserverbrauch.

Die Forderungen ergeben sich direkt daraus. Regierungen und Privatsektor sollen pädagogische KI «by Design» fördern: Werkzeuge, die für Lehrpersonen und Lernende zugänglich sind und mit allgemeinen Konsumenten-Chatbots mithalten können. Regierungen und internationale Organisationen sollen ihre Anstrengungen in der KI-Governance bündeln und verbindliches nationales Recht schaffen, das sich auch tatsächlich durchsetzen lässt, etwa zu Transparenz, Herkunft und Wasserzeichen synthetischer Inhalte. Schliesslich sollen Privatsektor, Zivilgesellschaft und Wissenschaft prüfen, wie Rechenleistung eingesetzt wird, und sie sinnvollen Zwecken zuführen, um den Wasserverbrauch zu begrenzen und die digitale Öffentlichkeit vor unnötigem «AI Slop» zu schützen.

Wie geht es weiter?

Die Jugendbotschaften haben bereits Flügel bekommen. In der Woche nach unserem Anlass wurden sie an der Abschlusszeremonie des Swiss IGF vor einem nationalen Publikum als offizielle Jugendbotschaften präsentiert. Ausserdem wurden sie auf die Plattform des UN IGF hochgeladen, wo das Swiss Youth IGF registriert ist.

Ihre Reise geht diesen Herbst weiter. Eine Person aus dem Kreis unserer Teilnehmenden hat sich als Jugendbotschafterin bzw. Jugendbotschafter zur Verfügung gestellt und wird sie ans 6. Nationale Fachforum von Jugend und Medien bringen, der nationalen Plattform zur Förderung von Medienkompetenz.

Hinter den Kulissen arbeiten wir an einem System gemeinsamer Ergebnisse über mehrere Jugendanlässe hinweg, damit sich junge Stimmen gegenseitig verstärken können. Und bleibt gespannt aufs nächste Jahr: Wir planen neue Formate, um junge Menschen noch direkter einzubinden.

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